9 Schritte zum eigenen Balkonkraftwerk

Steigende Energiekosten und ein erhöhtes Umweltbewusstsein führen dazu, dass sich heutzutage immer mehr Haushalte für ein Balkonkraftwerk entscheiden. Mit einer kleinen Anlage lassen sich jährlich 50 bis 100 Euro sparen, bei einer größeren Anlage sind es jährlich bis zu 200 Euro. Zudem sind Balkonkraftwerke förderungsfähig. Um Ihnen die Entscheidung und den Einstieg zu erleichtern, haben wir nachfolgend 9 Schritte zum eigenen Balkonkraftwerk für Sie zusammengestellt.

Schritt 1 – Balkonkraftwerk Aufstellort

Um einen optimalen Wirkungsgrad zu erzielen, sollten Sie vor dem Kauf einer Solaranlage die Rahmenbedingungen überprüfen. Dies gilt insbesondere für den passenden Standort. Entscheidend sind hier die Himmelsrichtung, die Neigung der Module und auch die eventuelle Beschattung während der unterschiedlichen Jahreszeiten. Die jeweiligen Eckdaten der Sonnenstände während der Jahreszeiten für Ihre Region können Sie aus verschiedenen Apps herauslesen, zum Beispiel aus der LunaSolCal App. Für die Mitte Deutschlands liegt der Sonnenaufgang am 15.06. bei 50° und der Sonnenuntergang bei 310°. Die Sonnenhöhe mittags um 13:30 Uhr MESZ beträgt 63°. Am 21.12. ist der Sonnenaufgang bei ca. 127° und der Sonnenuntergang bei 232°. Die Sonnenhöhe mittags liegt dann nur noch bei 16° über dem Horizont. Diese Daten geben Auskunft, wann die Sonne auf die Module trifft und wie es sich mit dem zu erwartenden Schlagschatten während der unterschiedlichen Jahreszeiten verhält.

Maximale Sonnenausbeute

Liegt der Balkon die meiste Zeit des Tages im Schatten, ist die Montage eines Balkonkraftwerks kaum zu empfehlen, da die PV-Anlage hier um bis zu 90% schlechter arbeitet als bei direkter Sonneneinstrahlung.

Optimale Ausrichtung der Solarmodule

Besonders effizient arbeitet das Balkonkraftwerk, wenn die Sonne rechtwinklig, also in einem Winkel von 90°, auf das Solarmodul trifft. Dies ist insbesondere während der Mittagsstunden der Fall. Bei uns in Deutschland erzielen Sie mit einer Ausrichtung nach Süden und einem Neigungswinkel des Solarmoduls von 30 bis 35 Grad die besten Ergebnisse, sofern die Anlage nicht beschattet wird. Beachten Sie jedoch unbedingt die Windlast, wenn Sie das Solarpanel an einem Balkongeländer befestigen. Ein schräg aufgestelltes Panel wirkt wie ein Segel und kann bei Sturm gegebenenfalls zu Schäden am Balkon und am Geländer führen. Sicherer ist es, das Balkonkraftwerk im 90° Winkel am Geländer zu befestigen. Bedenken Sie zudem auch, dass alles, was mehr als 30 cm über der Dachoberfläche herausragt, eine Baugenehmigung benötigt.

Einspeisesteckdose am Standort

Um die Installation eines Balkonkraftwerkes möglichst einfach zu gestalten, empfiehlt sich eine Einspeisesteckdose in der Näher der Anlage. Ist eine Außensteckdose bereits vorhanden, können Sie diese direkt nutzen. Andernfalls muss eine Steckdose in unmittelbarer Nähe montiert werden. Hierfür ist eine Steckdose erforderlich, die gegen das Eindringen von Spritzwasser geschützt ist. Entscheiden Sie sich daher bei der nachträglichen Montage für eine IP44 oder IP54 Steckdose. Letztere ist nicht nur spritzwassergeschützt, sondern auch staubdicht.

Schukostecker
Schukostecker

Schritt 2 – Hauseigentümer kontaktieren

Da es sich um eine bauliche Veränderung handelt, ist für die Montage eines eigenen Balkonkraftwerkes die Zustimmung des Vermieters bzw. der Wohnungseigentümergemeinschaft erforderlich. Dies gilt sowohl, wenn das Solarmodul an einer Balkonbrüstung befestigt wird, als auch, wenn Sie es an einer Wand montieren. Auch die Einspeisung des Stroms in das Gebäudestromnetz kann als Veränderung der elektrischen Gebäudeausrüstung angesehen werden und bedarf daher einer Genehmigung durch den Vermieter bzw. die Wohnungseigentümergemeinschaft. Holen Sie sich diese Erlaubnis am besten schriftlich ein, um bei späteren Streitigkeiten ein Beweismittel vorlegen zu können. Zudem gehen Sie somit auf Nummer sicher, sollte es zu einem Vermieterwechsel kommen.

Schritt 3 – Anschluss-System für Balkonkraftwerk überprüfen

Balkonkraftwerke bestehen in der Regel aus einem oder zwei Solarmodulen, einem Wechselrichter sowie einem Anschlusskabel, mit dem Sie den gewonnenen Strom in das Hausnetz einspeisen. Hierfür stehen Schuko- und Wieland-Stecker zur Wahl. Die kostengünstigere Alternative für die Selbstmontage ist das Schuko-Anschlusssystem. Schuko-Stecker passen in jede gewöhnliche Haushaltssteckdose. Für dieses System benötigen Sie keinen Elektriker, sondern setzen auf Plug&Play. Voraussetzung für das Schuko-Anschlusssystem ist jedoch, dass der eingespeiste Strom eine Stärke von 2,6 Ampere nicht übersteigt.

Bei einer Wieland-Steckdose sieht es anders aus. Diese muss von einem autorisierten Fachmann montiert werden. Das System ist somit aufwendiger und teurer. Der Vorteil eines Wieland-Anschlusssystems besteht darin, dass seitens des Wechselrichters keine freiliegenden Stecker-Pins vorhanden sind und sich der Stecker nur mithilfe eines Schraubenziehers lösen lässt.

Balkonkraftwerke verfügen in der Regel über eine Leistung von bis zu 600 Watt. Achten Sie bei der Anschaffung eines eigenen Balkonkraftwerkes darauf, dass Ihr Stromzähler mit einer Rücklaufsperre ausgestattet ist. Anlagen mit einer Leistung von 800 Watt sollen in naher Zukunft ebenfalls genehmigt und mit jedem Zählertyp betrieben werden dürfen.

Schritt 4 – Stromzähler Balkonkraftwerk

Die Mini-PV-Anlage wandelt Sonnenenergie in Strom um und speist diesen in das Hausnetz ein. Der somit erzeugte Ökostrom aus Ihrem Balkonkraftwerk versorgt die elektrischen Geräte, sodass weniger Strom vom Energieversorger benötigt wird. Dies wirkt sich positiv auf Ihr monatliches Budget aus. Anders als bei einer herkömmlichen Dach-Photovoltaikanlage ist die Einspeisung in das öffentliche Netz rechtlich nicht vorgesehen, da es den Vorgang deutlich verkomplizieren würde.

Wie bereits erwähnt, ist derzeit ein Stromzähler mit Rücklaufsperre Voraussetzung für den Betrieb eines Balkonkraftwerkes. Dieser verhindert, dass sich der Zähler rückwärts dreht, sollte mehr Strom produziert als verbraucht werden. Das ist in Deutschland aktuell nicht erlaubt.

Moderne digitale Smart-Meter verfügen generell über eine Rücklaufsperre. Bei älteren Geräten mit Drehscheibe ist eine Nachfrage beim Vermieter oder Energieversorger sinnvoll. Gegebenenfalls bitten Sie um einen Austausch des Zählers. Da bis 2032 ohnehin alle Stromzähler in Deutschland digitalisiert werden müssen, sollte dies kein Problem darstellen. Kontaktieren Sie bei Unklarheiten Ihren Netzbetreiber und fragen Sie nach, ob Ihr Stromzähler über eine Rücklaufsperre verfügt und welche Kosten bei einem Zählerwechsel gegebenenfalls anfallen.

digitalen Stromzahler mit Rucklaufsperre
digitalen Stromzahler mit Rucklaufsperre

Schritt 5 – Sicherungen überprüfen

Wenn Sie den erzeugten Strom Ihres Balkonkraftwerkes über ein Schuko-Anschlusssystem in das Hausstromnetz einspeisen möchten, ist ein FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutzschalter) unverzichtbar. Erforderlich ist ein 30 mA FI-Schalter. Des Weiteren ist sicherzustellen, dass das Balkonkraftwerk nicht mehr als 2,6 Ampere (600 Watt) in das Hausnetz einspeist. Sollte in Ihrem Objekt noch eine 16 Ampere Schraubsicherung verbaut sein, ist diese durch eine 13 Ampere Sicherung auszutauschen.

Die Sicherheit bei der Einspeisung des Ökostroms über die Schuko-Steckdose wird durch ein Gutachten belegt, welches durch die DGS (Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie) in Auftrag gegeben wurde. Da eine Produktnorm für Stecker-Solargeräte erst 2024 erwartet wird, sollten Sie sich beim Kauf eines Balkonkraftwerkes an den Sicherheitsstandards orientieren, welche die DGS veröffentlicht hat.

Schritt 6 – Balkonkraftwerk kaufen

Bei einem Balkonkraftwerk haben Sie die Wahl zwischen einem Komplettset und einer Anlage, die Sie selbst zusammenstellen. Letztere ist etwas kostengünstiger, erfordert jedoch ein wenig Fachwissen, um die richtigen Komponenten auszuwählen.

Bei einem Balkonkraftwerk Komplettset sind alle Bauteile optimal aufeinander abgestimmt. Die Anlage lässt sich mit wenig Zeitaufwand und technischem Fachwissen innerhalb kurzer Zeit aufbauen und anschließen. Sie besteht aus einem oder zwei Solarmodulen, entsprechenden Haltern, einem Wechselrichter sowie Verbindungskabeln und einem Anschlusskabel.

Schritt 7 – Solarmodule montieren

Mit einem Balkonkraftwerk Komplettset können Sie die Montage und Installation Ihrer kleinen PV-Anlage selbst übernehmen und benötigen keinen Elektriker. Für eine sichere Befestigung der Module empfiehlt sich jedoch eine Montage durch zwei Personen.

Um eine fachgerechte Montage sicherzustellen, sollten Sie die Bedienungsanleitung gründlich studieren und eventuell entsprechende Tutorials ansehen.
Gehen Sie gemäß der Anleitung vor und befestigen Sie den Wechselrichter an der Rückseite des Solarpanels. Achten Sie darauf, dass der Inverter vor Regen geschützt ist. Des Weiteren sollte die Kontrollleuchte, die sich am Wechselrichter befindet, auch später noch sichtbar sein.

Im nächsten Schritt montieren Sie die Module an der entsprechenden Aufhängevorrichtung und befestigen Sie beides an der Außenseite der Balkonbrüstung. Wechselrichter und Solarpanel werden mithilfe entsprechender Verbindungskabel zusammengesteckt. Nicht benötigte Anschlüsse sind mit Blindstopfen zu versehen. Als letzten Schritt verbinden Sie das Stromkabel mit der Steckdose, sodass der Ökostrom in Ihr Hausnetz eingespeist werden kann. Bis sich der Wechselrichter initialisiert hat, können mehrere Minuten vergehen.

Balkonkraftwerke lassen sich auch auf einer Terrasse oder auf dem Flachdach einer Garage montieren. Wenn Sie mit einem Stellrahmen arbeiten, können Sie das Solarmodul entsprechend der Sonne ausrichten, um einen optimalen Wirkungsgrad zu erzielen. Anschließend müssen Sie den Aufsteller beschweren oder im Boden verankern, sodass Ihre Anlage auch bei Sturm gut gesichert ist.

Schritt 8 – Balkonkraftwerk registrieren

Balkonkraftwerke müssen grundsätzlich bei der Bundesnetzagentur im Marktstammdatenregister eingetragen und beim Netzbetreiber registriert werden. Dieser Vorgang ist für Sie kostenfrei und dauert nur wenige Minuten. Neben Ihrem Namen, der Adresse und der Telefonnummer werden auch Summenleistung der Module, Modulanzahl, Zählernummer, Wechselrichternennleistung sowie das geplante Datum der Inbetriebnahme angegeben. Ab dem 01. Januar 2024 ist eine Anmeldung beim Netzbetreiber voraussichtlich nicht mehr erforderlich.

Schritt 9 – Förderung beantragen

In Zeiten der Energiewende sind Balkonkraftwerke und Mini-PV-Anlagen attraktiver denn je. Günstige Komplettsets für Balkonkraftwerke sind derzeit bereits ab 500 Euro erhältlich. Seit Januar 2023 entfällt die Mehrwertsteuer für die Mini-PV-Anlagen, die bisher bei 19 Prozent lag. Noch mehr sparen können Sie, wenn Sie eine Förderung beantragen. Balkonkraftwerke werden in Deutschland aktuell mit bis zu 500 Euro gefördert, abhängig vom jeweiligen Bundesland. Einige Städte und Landkreise zahlen zudem Zuschüsse für Mini-PV-Anlagen. Mit einem Balkonkraftwerk leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz – eine Investition in die Zukunft, die sich bereits nach einigen Jahren auszahlt!

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