Arten von Stromzählern, Vor- und Nachteile rückwärts drehender Zähler

Balkonkraftwerke werden immer beliebter und die Bundesregierung will diese weiter fördern. Nun geht es um weitere Erleichterungen, die ab 2024 in Kraft treten sollen. Für begrenzte Zeit solle rückwärtsdrehende Stromzähler erlaubt sein.

Balkonkraftwerke sind so beliebt wie nie zuvor
Balkonkraftwerke sind so beliebt wie nie zuvor (Bild: pixabay)

Verschiedene Arten von Stromzählern in Deutschland

In den Medien ist in Bezug auf Balkonkraftwerke fast täglich etwas Neues zu hören. Aktuell geht es um die Vorschriften für zu verwendende Zähler für Balkonkraftwerke. Hier stellt sich die Frage: Wechseln oder nicht? Die erst kürzlich veröffentlichten Diskussionen besagen, dass auch rückwärts drehende Zähler bis zu einem gewissen Zeitraum erlaubt sein sollen. Doch es gibt mehr als nur zwei Arten von Stromzählern, wie die folgende Übersicht zeigt:

1. Ferraris-Zähler

Der Ferraris-Zähler ist ein analoger Stromzähler, der als einzige Funktion den aktuellen Zählerstand anzeigen kann. Für Einbau, Messung und Betrieb verantwortlich ist der örtliche Netzbetreiber. Wichtig: Diese Zählerart muss bis spätestens 2032 überall ersetzt.

Ferraris Stromzählern
Ferrariszähler (Bild: Adobe Stock)

2. Moderne Messeinrichtung (mME)

Hierbei handelt es sich um einen digitalen Zähler ohne Kommunikationseinheit. Der Zähler zeigt den aktuellen Stromverbrauch an und speichert die Werte für einen Tag, eine Woche, einen Monat und ein Jahr über den Zeitraum von zwei Jahren. Eine Kommunikationseinheit kann angeschlossen werden, damit wird die moderne zur intelligenten Messeinrichtung. Zuständig für Einbau, Messung und technischen Betrieb ist der örtliche Netzbetreiber oder ein von ihm beauftragter Verantwortlicher.

Moderne Messeinrichtung
Moderne Messeinrichtung (Bild: new-netz)

3. Intelligentes Messsystem (iMSys)

Der digitale Zähler verfügt über eine Kommunikationseinheit und zeigt den aktuellen Zählerstand an. Darüber hinaus kann er Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreswerte in Viertelstundenwerten bereitstellen. Zuständig für Einbau, Messung und technischen Betrieb ist der örtliche Netzbetreiber oder ein von ihm beauftragter Verantwortlicher.

Intelligentes Messsystem
Intelligentes Messsystem (BIld: swhd)

4. Kommunikationseinheit (Smart-Meter-Gateway – SMG)

Hierbei handelt es sich nicht um einen eigenen Zähler, sondern um eine Kommunikationsschnittstelle zwischen Zähler und Kommunikationsnetz. Mit dem SMG lassen sich einer oder mehrere Zähler anbinden. Die Datenübertragung erfolgt automatisch zum Messstellenbetreiber. Zuständig für den Einbau und den Unterhalt ist der Smart-Meter-Gateway-Administrator, welcher der Messstellenbetreiber oder ein anderes Unternehmen sein kann.

SMG und intelligentes Messsystem
SMG und intelligentes Messsystem (Bild: bhkw-forum)

Zusammenfassend gilt: Es gibt sowohl analoge als auch digitale Zähler. Die analoge Variante wird in Ein- und Doppeltarifzähler unterteilt. Digitale Zähler hingegen werden ebenfalls in zwei Gruppen geteilt: Auf der einen Seite stehen die modernen, auf der anderen Seite die intelligenten Zähler. Dabei ist wichtig zu wissen, dass ein digitaler Zähler nicht zwangsläufig ein intelligenter Stromzähler ist. Er ist aber aufrüstbar, sodass mit dem Smart Meter Gateway die Kommunikation des Zählers mit den Haushaltsgeräten und der App, über die sich die Daten zum Stromverbrauch auslesen lassen, möglich wird.

Rückwärts drehende Zähler: Definition und Merkmale

Ehe es um den Wechsel des neue Stromzählers geht, sollte bekannt sein, dass die Ampelregierung kürzlich beschlossen hat, dass übergangsweise rückwärts drehende Zähler erlaubt sind. Steckersolargeräte, zu denen Balkonkraftwerke zählen, können damit für eine Dauer von vier Monaten mit den vorhandenen Messeinrichtungen betrieben werden. Der Austausch der Zähler muss dann nicht gesondert in Auftrag gegeben werden, sondern der Messstellenbetreiber bzw. der örtliche Netzbetreiber muss eigenständig dafür sorgen. Woran aber sind rückwärts drehende Zähler erkennbar?

Ein analoger Stromzähler ist an der Drehscheibe und dem Zählwerk erkennbar, beides befindet sich hinter einem Sichtfenster. Die Zählscheibe ist waagerecht angeordnet, der Zähler selbst befindet sich in der Regel in einem schwarzen Kasten.

Ferraris-Zähler
Ferraris-Zähler (Bild: home and smart)

Ein sogenannter Zweirichtungszähler weist ein kleines Kennzeichen auf: Es handelt sich dabei um das Symbol einer Kralle, die ein Zahnrad fixiert. Damit ist nur eine Zählrichtung möglich. Ist ein solcher Zähler vorhanden, kann der Wechsel entfallen. Digitale Stromzähler, die auf den ersten Blick als solche erkennbar sind, haben ebenfalls ein entsprechendes Symbol.

Digitaler Zähler mit Rücklaufsperre
Digitaler Zähler mit Rücklaufsperre (Bild:oekostromhelden )

Vor- und Nachteile rückwärts drehender Zähler

Bisher durften Zähler in Deutschland nicht rückwärts laufen. Die Messwerte wurden damit verfälscht und die Manipulation, also das bewusste Zurückdrehen der Zähler, galt sogar als Straftat. Die Bundesregierung hat diesen Tatbestand nun relativiert bzw. sogar aufgehoben. Künftig dürfen rückwärts drehende Zähler, die in Haushalten mit eigenem Balkonkraftwerk aktiv sind, weiter betrieben werden. Dies gilt so lange, bis der Netzbetreiber die Zähler wechseln möchte. In der Regel gilt eine Frist von vier Monaten. Liegen dann keine Anhaltspunkte zu fehlerhaften Daten vor, werden die zurückgezählten Werte anerkannt. Sie mindern die Stromrechnung entsprechend. Der Betreiber eines Balkonkraftwerkes kann somit für wenigstens vier Montage von einem niedrigeren Strompreis profitieren.

Wird mehr Strom produziert, als im Haushalt verbraucht werden kann, zählt der Ferraris-Zähler rückwärts. Er mindert damit die Strommenge, die gegenüber dem Netzbetreiber abgerechnet wird. Der Vorteil: Der Nutzer hat nicht nur seinen eigenen, umweltfreundlichen Strom produziert und sich damit in der betreffenden Menge unabhängig vom Netzbetreiber gemacht, sondern er kann sich auch über eine verringerte Stromrechnung freuen.

Die Nachteile rückwärts drehender Zähler liegen allerdings auf der Hand. Sie bieten keinesfalls den Komfort, den moderne Smart Meter offerieren, da sie den Stromverbrauch seit ihrem Einbau aufzeichnen. Es gibt keine Möglichkeit, einen Überblick über den Monats- oder Jahresverbrauch zu erhalten, derartige Werte müssen manuell gesammelt werden. Durch das Rückwärtsdrehen beim Aufzeichnen des eingespeisten Stroms werden die Messwerte sogar noch verfälscht. Auch wenn mit dem Wechsel des Stromzählers Kosten verbunden sind, so ist der Tausch doch im Interesse einer besseren Kostentransparenz nötig. Außerdem kommen immer wiederhohe Stromrechnungen durch defekte Zähler zustande, da die alten Ferraris-Zähler in Einzelfälle nicht mehr genau genug zählen.

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