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Balkonkraftwerk anmelden: Schritt für Schritt zur erlaubten und registrierten Solaranlage

Es ist so einfach wie der Wochenendkauf: Ein Balkonkraftwerk kann einfach gekauft, zu Hause aufgestellt und mit der passenden Steckdose verbunden werden. Eine Hürde wird dabei aber gern vergessen: Balkonsolar muss angemeldet werden! Wo und wie Sie die Anmeldung vornehmen, erklären wir hier.

Anmelden des Balkonkraftwerkes ist Pflicht

Experten schätzen, dass derzeit rund 80 bis 90 Prozent der Balkonkraftwerksinstallationen in Deutschland nicht angemeldet sind. Die Besitzer berufen sich auf die EU-Verordnung 2016/631, die besagt, dass kleine Stromerzeuger mit einer 800 Watt unterschreitenden Leistung nicht angemeldet werden müssen, weil sie als nicht systemrelevant gelten. Doch die deutschen Stromnetzbetreiber sehen das anders und bestehen auf der Nutzungsmeldung der Balkon-PV. Betreiber einer solchen Anlage müssen diese sowohl bei der Bundesnetzagentur als auch im Marktstammdatenregister anmelden. Zuwiderhandlungen werden geahndet und mit einer Geldbuße belegt. Gut zu wissen: Die Anmeldeformalitäten sind kostenlos.

Nur Anmeldung, keine Genehmigung

Mit der Mini PV kann kostengünstig Strom aus der Sonne gewonnen werden. Dieser wird eingespeist und selbst verbraucht oder gelangt ins öffentliche Netz. Auch wenn viele Betreiber derartiger Minikraftwerke davon ausgehen, dass sie diese einfach auf dem Balkon aufstellen und nach Anschluss an die Steckdose nutzen können, gibt es doch viele Vorgaben, die einzuhalten sind. Diese beziehen sich unter anderem auf die Pflicht zum Anmelden der Anlage. Liegt deren Einspeiseleistung unter 600 Watt, ist je nach Netzbetreiber ein einfaches Anmeldeverfahren ausreichend. Hierbei wird von einer Bagatellgrenze gesprochen, die in anderen Ländern Europas sogar bei 800 Watt liegt. Wichtig: Es muss keine Genehmigung des Netzbetreibers eingeholt werden, die Anmeldemaßnahme dient lediglich der Information.

Neue Vorschriften für Balkonkraftwerksanlagen

Im von Robert Habeck geführten PV-Gipfel wurden im März 2023 Erleichterungen für den Betrieb von Balkonkraftwerken in einem Strategiepapier beschlossen. Enthalten waren dabei folgende noch umzusetzende Ziele:

  • Vereinfachung oder Aufhebung der Meldepflichten
  • Zulassung von Schuko-Steckern statt Wieland-Steckern
  • Aufnahme von Balkonsolar ins Wohneigentumsgesetz und BGB
  • Anhebung der möglichen Maximalleistung auf über 600 Watt
  • Duldung rückwärtsdrehender Zähler bis zum Austausch durch den Netzanbieter

Aktuell befindet sich der Entwurf zu den neuen Vorschriften für den Betrieb der Balkon-PV noch in der Ressortabstimmung. Sollte dort die nötige Zustimmung erreicht werden, gelten die neuen Vorgaben ab 1. Januar 2024. Geplant ist, dass die Meldung beim Netzanbieter gänzlich wegfallen kann und dass die Maximalleistung auf 800 Watt wie beispielsweise in Österreich angehoben wird. Schon jetzt sind im Handel updatefähige Wechselrichter erhältlich.

weisses haus balkonkraftwerk
weisses haus balkonkraftwerk (Bild: vattenfall)

Anmeldung des Mini-Kraftwerkes beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister

Alles beginnt mit dem Kauf des Balkonkraftwerkes. Dieses wird zu Hause installiert, was nicht einmal die Mitwirkung eines Fachmannes erfordert. Lediglich die Installation des passenden Zählers muss vorgenommen werden, doch auch hier gibt es derzeit Diskussionen zu möglichen Vereinfachungen. Darüber hinaus muss eine Wieland-Steckdose installiert werden, damit der Wieland-Stecker der PV-Anlage eingesteckt werden kann. Der Betrieb mit einer normalen Schuko-Steckdose und dem zugehörigen Stecker ist zwar möglich, gilt aber als widerrechtlich im Sinne der VDE-Norm.
Nach der Installation muss die Mini-PV beim Netzbetreiber angemeldet werden, was durch den Eigentümer selbst oder durch einen Elektrofachbetrieb möglich ist.

Schritt für Schritt durch die Anmeldung des Balkonkraftwerks

Zur Meldung der Balkon-PV sind die folgenden Schritte nötig:

  1. Rechtliche Bestimmungen beachten
    Vor der Meldung sollten Betreiber einer Mini-PV die rechtlichen Bestimmungen kennen, die aktuell seitens des Bundes und des eigenen Netzbetreibers gelten.
  2. Einspeisevergütung beantragen
    Je nach Region variiert die Höhe der Einspeisevergütung. Diese wird beim Netzbetreiber beantragt. Allerdings ist der Aufwand nicht verhältnismäßig, denn die Balkonkraftwerksanlage produziert in der Regel kaum genügend Strom, um den eigenen Haushalt komplett zu versorgen. Im besten Fall sind wenige Euro als Ertrag zu verbuchen, doch diese lohnen den Aufwand kaum.
  3. Beim Netzbetreiber anmelden
    Erfragt werden dabei die allgemeinen Daten zur Anlage ebenso wie eine Beschreibung des Balkonkraftwerks mit seiner konkreten Leistung. Zu nennen sind unter anderem das Datum der Inbetriebnahme, der Standort der Anlage sowie zahlreiche technische Daten wie die Anzahl der Module, die Leistung des Wechselrichters und eine mögliche Leistungsbegrenzung der Anlage.

Nach der Prüfung der Meldung wird der Netzbetreiber ein Schreiben schicken, in dem die Prüfung der Anlage durch einen Fachmann angekündigt wird. Dabei geht es um die Einhaltung aller Vorschriften sowie um die sichere Installation. Erst danach erteilt der Netzbetreiber eine Einspeiseerlaubnis.
Für die Meldung wird die Unbedenklichkeitsbescheinigung des Wechselrichters benötigt, außerdem eine Konformitätserklärung nach VDE-AR-N-4105.
Wichtig: Der Stromnetzbetreiber ist nicht der Stromanbieter! Letzterer kann frei gewählt werden, Ersterer steht für den jeweiligen Standort fest.

mini PV Balkonkraftwerk anmelden
mini PV Balkonkraftwerk anmelden

Diese Strafen drohen bei Verstoß gegen die Anmeldepflicht

Nach § 95 des Energiewirtschaftsgesetzes können Strafen bei Verstoß gegen die Anmeldepflicht verhängt werden. Vorgesehen ist ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. In der Realität gilt dieser Paragraph zwar, wird allerdings weniger drakonisch umgesetzt. Die Strafen fallen meist deutlich geringer aus und werden ohnehin nur fällig, wenn die Verantwortlichen zugetragen bekommen, dass eine Mini-PV ohne Meldung betrieben wird.

Mini-PV bei der Bundesnetzagentur anmelden

Nach der Meldung der Mini-PV beim Netzbetreiber steht noch das Anmelden im Markstammdatenregister aus. Dieses wird von der Bundesnetzagentur betrieben. Als Frist für die Meldung über den Betrieb gilt ein Monat nach Inbetriebnahme der Balkonkraftwerksanlage. Die Anlage ist einfach und erfordert keine Mitwirkung des Installateurbetriebs. Angegeben werden muss der Name des Anlagenbetreibers sowie dessen Haupteinnahmequelle. Außerdem müssen Standort, Datum der Inbetriebnahme, Spannungsebene sowie Anzahl und Leistung der Solarmodule genannt werden. Die Leistung des Wechselrichters ist ebenso relevant wie Angaben zu Leistungsbegrenzungen des Wechselrichters. Damit werden hier ähnliche Informationen abgefragt wie bei der Meldung an den Netzbetreiber. Gut zu wissen: Auch diese Anmeldung ist kostenlos!

Gibt es Fördergelder für den Betrieb einer Balkon-PV?

Ob es Fördergelder gibt, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Durchschnittlich ist mit einer Bezuschussung von bis zu 200 Euro zu rechnen. Heidelberg erweist sich hier als Ausreißer und zahlt bis zu 750 Euro, Mecklenburg-Vorpommern immerhin noch bis zu 500 Euro. In anderen Ländern oder Städten sind es zwischen 50 und 100 Euro. Lediglich in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Thüringen, Bremen, Hamburg und im Saarland gibt es aktuell noch keine Förderungen für eine Balkon-PV.

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