4m-Grenze fällt! Es braucht keine besonderen Module!

In Deutschland erfreuen sich Balkonkraftwerke, auch als Steckersolargeräte bekannt, wachsender Beliebtheit, da sie eine unkomplizierte Möglichkeit bieten, selbst Strom zu erzeugen und zur Energiewende beizutragen. Bisher gab es jedoch bestimmte Anforderungen zu beachten, insbesondere bei Installationen in höheren Lagen ab 4 Metern. Ab dem 27. Oktober 2023 entfallen jedoch die Notwendigkeit spezieller Module für die Installation von Balkonkraftwerken in solchen Höhen.

Die ursprüngliche Regelung zur Überkopfverglasung sollte sicherstellen, dass Glas in einer Höhe von über 4 Metern sicher und stabil montiert wird. Doch diese Regelung war in erster Linie für größere Bauprojekte gedacht und nicht für kleinere Installationen wie Balkonkraftwerke.

Die jüngsten Entwicklungen und die Klarstellung, dass Balkonkraftwerke nicht als Bauprodukte klassifiziert werden (bestätigte das schleswig-holsteinische Innenministerium Technische Baubestimmungen | DIBt – Deutsches Institut für Bautechnik ), sind daher eine Erleichterung für viele potenzielle Nutzer. Es schafft nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern erleichtert auch den Prozess der Installation und Genehmigung.

Der Clou: Balkonkraftwerke kein Bauprodukt?

Zuerst hatten Machdeinenstrom.de und Golem.de berichtet, dass es eine neue Rechtsauffassung gibt. Danach sind Stecker-Solaranlagen nicht als Bauprodukte einzuordnen. Die Argumentation: „Die Montage einer Stecker-Solaranlage hat in der Regel nichts mit dem Bau oder Umbau eines Gebäudes zu tun. Daher sollten die Solarmodule nicht als Bauprodukte klassifiziert sein.“ Dem liegt die Annahme zugrunde, dass es sich bei Balkonkraftwerken eher um temporär genutzte Geräte wie etwa eine Satellitenschüssel oder einen Balkonkasten handelt.

Balkonkraftwerke sind so beliebt wie nie zuvor
Balkonkraftwerke sind so beliebt wie nie zuvor (Bild: pixabay)

Technische Bauvorschriften

Anders als oft angenommen, gelten für Balkonkraftwerke ab einer Installationshöhe von 4 Metern keine besonderen technischen Bauvorschriften. Es kursieren zwar viele Meinungen und Hinweise, insbesondere in Online-Ratgebern, doch laut der Fachkommission Bautechnik der Bundesländer sind Balkonkraftwerke keine traditionellen Bauprodukte. Daher müssen sie auch nicht die spezifischen Anforderungen der Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen erfüllen.

Am 27. Oktober 2023 hat das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) eine Mitteilung veröffentlicht

“Stecker-PV-Anlagen – sogenannte „Balkonkraftwerke“ – bestehen aus PV-Modulen, Wechselrichter, Kabel mit Stecker und werden über eine Steckdose an den Verbraucherstromkreis angeschlossen. Anders als bei PV-Anlagen, die mit dem Stromkreis fest verbunden werden und bei denen die Verbindung zwischen baulicher Anlage und Stromquelle nicht ohne weiteres aufzulösen ist, kann bei „Balkonkraftwerken“ die Verbindung zur baulichen Anlage im Hinblick auf die Energieeinspeisung durch das einfache Ziehen des Steckers wieder gelöst und das „Balkonkraftwerk” beliebig durch den Nutzer (z.B. bei Auszug eines Mieters) vom Balkon einfach und ohne großen Aufwand abmontiert werden. Da in diesem Fall die PV-Module nicht dauerhaft in die bauliche Anlage eingebaut werden, sind sie keine Bauprodukte i.S.d. § 2 Abs. 10 Nr. 1 MBO.”

Stockwerksverständnis in Deutschland

In Deutschland bezieht sich die Höhe von 4 Metern oft auf die Installation von Balkonkraftwerken an Mehrfamilienhäusern. Bei diesen Gebäuden kann das zweite oder dritte Stockwerk bereits diese Höhe erreichen. Es ist daher wichtig zu wissen, dass, wenn Sie in einem solchen Stockwerk wohnen und ein Balkonkraftwerk installieren möchten, Sie die genauen Bestimmungen und Regelungen kennen und befolgen sollten.

Modularten und ihre Eignung

Obwohl es keine speziellen Bauvorschriften für Balkonkraftwerke in höheren Lagen gibt, kann es dennoch einige Module geben, die aufgrund ihrer Eigenschaften besser geeignet erscheinen mögen. Ursprünglich wurde angenommen, dass für Installationen über 4 Metern spezielle Gläser oder leichte Folienmodule benötigt werden, was jedoch nicht mehr der Fall ist. In Wirklichkeit sind jedoch viele herkömmliche Solarmodule für derartige Installationen geeignet, und die Entscheidung sollte auf Grundlage technischer Eignung und persönlicher Vorlieben getroffen werden.

Erlaubnisse und Absprachen

Unabhängig von der Höhe und der Art der Module ist es immer ratsam, vor der Installation Rücksprache mit dem Gebäudeeigentümer oder der Eigentümergemeinschaft zu halten (voraussichtlich ab 2024 zwar nicht mehr zwingend erforderlich, aber dennoch empfehlenswert). Darüber hinaus können je nach Region und Stadt zusätzliche Vorschriften oder Richtlinien existieren, die beachtet werden müssen. Sowohl Hausbesitzer als auch Mieter sollten in Erwägung ziehen, sich über spezielle Versicherungsoptionen zu informieren, die mögliche Schäden oder Haftungsfragen im Zusammenhang mit Balkonkraftwerken abdecken. Viele Versicherungsunternehmen bieten inzwischen maßgeschneiderte Lösungen an, um sowohl die Technologie als auch potenzielle Schäden Dritter angemessen abzusichern.

Fazit

Bevor Sie ein Balkonkraftwerk installieren, informieren Sie sich aus verlässlichen Quellen und berücksichtigen Sie alle Aspekte, die für Ihre individuelle Situation relevant sind. Es ist immer eine gute Idee, Expertenrat einzuholen, um sicherzustellen, dass Sie sowohl technisch als auch rechtlich auf der sicheren Seite sind.

Das Ziel der Erleichterung, selbst bei Installationen ab 4 Metern Höhe, ist es, benachteiligten Menschen die Teilnahme an der Energiewende zu ermöglichen und gleichzeitig als “Türöffner” für andere Wohnblöcke zu fungieren.

In vielen Städten und Regionen sind mittlerweile kostenfreie Beratungsangebote verfügbar, um Menschen bei ihren Fragen zur Unterstützung von Balkonkraftwerken zu helfen. Häufig werden auch kostenlose Workshops angeboten, bei denen alle Fragen zum Thema Balkonkraftwerk beantwortet werden können. Darüber hinaus arbeitet die BKWI eng mit Solarprojekt Frankfurt zusammen.

Lassen Sie sich benachrichtigen, wenn wir etwas Neues veröffentlichen!

Ich stimme zu, dass meine personenbezogenen Daten genutzt werden, um werbliche E-Mails zu erhalten, und weiß, dass ich dies jederzeit widerrufen kann.

Weiter lesen

Österreich verabschiedet neues Gesetz zu Balkonkraftwerken

Ab dem 1. September 2024 können andere Mitglieder einer Wohnungseigentümergemeinschaft in Österreich grundsätzlich nicht mehr die Installation von Plug-in-Photovoltaiksystemen auf Balkonen und Terrassen ablehnen....

Balkonkraftwerke: Neue Regeln für Mietwohnungen

Am 4. Juli 2024 hat der Deutsche Bundestag ein wichtiges Gesetz verabschiedet, das den Prozess zur Installation von Balkonkraftwerken für Mieter erheblich vereinfacht. Diese...

Wartung und Pflege von Balkonkraftwerken: Was Sie wissen müssen

Balkonkraftwerke sind eine hervorragende Möglichkeit, umweltfreundlich und kostensparend Strom zu erzeugen. Doch wie bei jeder technischen Installation ist es wichtig, diese regelmäßig zu warten...

Aktivitäten des Waldkindergartens Bad Nauheim

Grüne Feier im Waldkindergarten Bad Nauheim An einem sonnigen Morgen begrüßte der Höhenweg in Bad Nauheim einen besonderen Tag. Die Eröffnungsfeier des neuen Standorts des...

Die Einspeisevergütung bei Balkonkraftwerken

In den letzten Jahren haben sich Balkonkraftwerke als beliebte Option für umweltbewusste Haushalte etabliert. Diese kleinen Solaranlagen ermöglichen es Mietern und Hausbesitzern, ihren eigenen...