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Betrieb eines Balkonkraftwerkes: Welcher Stromzähler ist dafür vorgeschrieben?

Das Balkonkraftwerk – auch „Balkonsolar“ genannt – liefert günstigen Strom aus einer erneuerbaren Energiequelle und sorgt somit dafür, dass dem Klimawechsel ein Stück weit mehr die Stirn geboten wird. Allerdings geht es auch bei der Stromproduktion um Geld. Was Mieter oder Eigentümer an den Strombetreiber zahlen müssen, soll der Stromzähler zeigen. Dies ist mitunter mit Schwierigkeiten verbunden.

Die wichtigsten Fakten zum Stromzähler auf einen Blick

Einen Stromzähler kennt jeder aus dem Haushalt. Einmal im Jahr wird der dort erfasste Strom abgelesen, die entsprechenden Werte bilden die Basis für die Abrechnung durch den Stromanbieter. Meist geht diese mit einer Erhöhung der Stromvorauszahlungen einher. Ein Balkonkraftwerk kann diese Kosten deutlich senken, doch auch hier muss der Verbrauch korrekt erfasst werden.
Während Mieter oder Eigentümer noch immer am häufigsten zwar Strom verbrauchen, diesen aber nicht selbst produzieren, sind sogenannte Einrichtungszähler ausreichend. Sie besitzen keinen Rücklaufschutz und zählen dementsprechend nur vorwärts. Für die Mini PV auf dem Balkon, für große Photovoltaik- und Windkraftanlagen hingegen muss der Einrichtungszähler eine Rücklaufsperre haben. Durch diese fließt kein Strom ins Netz zurück. Als digitalen Zähler gibt es den Zweirichtungszähler, der Stromverbrauch und Rückfluss ins Netz misst. Netzgekoppelte Photovoltaikanlagen sind typische Einsatzgebiete für diese Art von Stromzähler.

modernen Stromzähler mit Rücklaufsperre
modernen Stromzähler mit Rücklaufsperre © iStock.com/huettenhoelscher

Weitere Zählerarten: Was ist ein saldierender Stromzähler?

Der Stromkreis des Hauses besteht aus drei Phasen und drei verschiedenen Kabeln, die unabhängig voneinander mit Wechselstrom versorgt werden. Eines dieser Kabel kommt das Balkonkraftwerk („Balkon PV“). Würde hierfür ein saldierender Stromzähler verwendet werden, würde alle drei Stromerträge gleichermaßen erfasst und abgerechnet werden. Die Stromproduktion der Balkon PV wäre nicht bekannt. Daher muss ein nicht-saldierender Stromzähler installiert werden, der genau anzeigt, wie viel Strom bezogen und wie viel selbst produziert worden ist. Hierbei werden nur noch zwei Phasen als alleiniger Verbrauch gezählt.

Sind rückdrehende Stromzähler erlaubt?

Sehr praktisch scheinen rückdrehende Stromzähler, bei denen der korrekte Stromverbrauch erst in der Anzeige erkennbar wird. Doch es ist nicht zu unterscheiden, wie viel Strom selbst produziert und wie viel extern bezogen wurde. In Verbindung mit dem Balkonkraftwerk ist ein solcher Stromzähler nicht erlaubt Zur Erklärung: wenn die Mini-PV auf dem Balkon mehr Strom erzeugt als sie verbraucht, läuft der Stromzähler rückwärts. Die Menge des Stroms, den der Stromanbieter liefert, stimmt nicht mehr mit der Zähleranzeige überein (Ferraris-Zähler). Um Probleme zu vermeiden, muss daher ein rücklaufgeschützter Stromzähler installiert werden, der bei einer den Verbrauch übersteigenden Produktion einfach stehen bleibt. Eingebaut wird in der Regel ein saldierender Zweirichtungszähler mit Rücklaufschutz, der zwei Ablesewerte bietet.

Möglich ist zudem die Umrüstung eines digitalen Stromzählers auf einen intelligenten Smart Meter, welches die ermittelten Daten in bestimmten Abständen an ein Rechenzentrum des Stromanbieters überträgt. Der Stromzähler vor Ort muss nicht mehr persönlich abgelesen werden, außerdem kann der Verbrauch auch selbst per App verfolgt werden.

Alles Wichtige zum Wechseln des Stromzählers

Normalerweise sind rücklaufende Stromzähler beim Betrieb eines Balkonkraftwerks verboten. Doch die Bundesregierung sieht eine Ausnahme vor, sodass die Balkon-PV mit jedem beliebigen Stromzähler betrieben werden dürfen. Das bedeutet, dass auch Zähler ohne Rücklaufsperre eingesetzt werden können. Das Strategiepapier des Bundeswirtschaftsministeriums sieht eine vorübergehende Duldung dieser Stromzähler vor, sodass die Netzbetreiber genügend Zeit haben, moderne Zweirichtungszähler zu installieren. Damit soll eine große Hürde für die Nutzung der Balkonkraftwerke abgeschafft werden.

Stromzähler mit Rücklaufsperre erkennen - Kralle Symbol suchen
Stromzähler mit Rücklaufsperre erkennen – Kralle Symbol suchen © ComputerBild

Wann ist der Wechsel des Stromzählers nötig?

Soll ein Solarkraftwerk auf dem Balkon installiert werden und kann der aktuelle Stromzähler keine korrekte Zuordnung der bezogenen Energie vornehmen, ist der Wechsel des Stromzählers angezeigt. In der Regel ist das immer der Fall, wenn noch ein konventioneller Einrichtungszähler (Ferraris-Zähler) mit Drehscheibe vorhanden ist. Teilweise sehen die Netzbetreiber auch den Austausch eines Einrichtungszählers mit Rücklaufsperre vor. Der Wechsel selbst wird durch den Netzbetreiber vorgenommen und kann schon bei der Anmeldung des Solarkraftwerkes vereinbart werden. Der Tausch selbst ist einfach und unkompliziert, der Techniker tauscht lediglich den alten gegen den neuen Zähler. Wichtig: Der Microwechselrichter des Kraftwerks darf nicht zu weit entfernt sein und muss auf dem eigenen Grundstück stehen.

Diese Kosten entstehen beim Stromzählerwechsel

Auch wenn derzeit eine Übergangsregelung genutzt werden kann, ist doch der Wechsel des Stromzählers grundsätzlich nötig, sofern es sich um einen Einrichtungszähler handelt. Nur wenige Balkonkraftwerk-Besitzer wissen allerdings, dass sie die Kosten für den Wechsel zurückfordern können. Dies geht aus einer Stellungnahme der Clearingstelle EEG hervor. Maximal 20 Euro dürfen jährlich brutto seitens des Netzbetreibers für einen modernen Stromzähler in Rechnung gestellt werden. Bislang haben viele Netzbetreiber versucht, über Gebühren bist teilweise 130 Euro die Kosten für die Zähler auf den Besitzer der Mini-PV umzulegen. Die Clearingstelle äußerte sich in ihrer Empfehlung vom 22. Februar 2023 wie folgt: Der Betreiber einer Messstelle habe „keinen Anspruch auf Zahlung einer angemessenen Gebühr seitens des Anlagenbetreibers“. Es bestünde lediglich „gesetzlich das Recht, eine Gebühr bis zur Höchstgrenze“ zu erheben. Dies liegen bei den genannten 20 Euro pro Jahr.
Viele Netzbetreiber bieten ohnehin an, kostenlos den Zähler zu wechseln, da es in ihrem Interesse ist, auf funktionierende Geräte bauen zu können, die den Strom korrekt erfassen und die Daten zur Abrechnung bereitstellen.

Die genannte Höchstgrenze der Gebühren betrifft allerdings nur den Zählerwechsel. Muss der gesamte Zählerplatz erneuert werden, sind Kosten bis 1.000 Euro möglich. Private Auftraggeber müssen dabei selbst für die Kosten aufkommen. Ist die Erneuerung des Zählerplatzes jedoch im Rahmen eines turnusmäßigen Zählerwechsels vorgesehen, können sich die Kosten verringern oder der Netzbetreiber übernimmt diese gänzlich.

Alles Wichtige in der Zusammenfassung

  • Wird ein Balkonkraftwerk installiert und soll künftig Strom über Photovoltaik-Module liefern, ist meist ein Wechsel des Stromzählers nötig.
  • Herkömmliche Einrichtungszähler sind dabei nicht erlaubt, da sie bei Einspeisung des produzierten Stroms über die Solaranlage rückwärtslaufen würden. Eine korrekte Trennung von bezogenem und produziertem Strom wäre nicht möglich. Eine Rücklaufsperre ist daher vorgeschrieben, die genau dieses Rückwärtslaufen verhindert.
  • Als ideal gelten Zweirichtungszähler bzw. saldierende Zähler, da sie den Stromfluss in beiden Richtungen erfassen.
  • Der Wechsel des Stromzählers ist kostenlos oder mit einer maximalen Gebühr von 20 Euro pro Jahr verbunden.
  • Aktuell sieht das Gesetz eine vorübergehende Duldung der alten Stromzähler vor. Diese müssen dennoch gegen neue Zähler ausgetauscht werden, lediglich die Frist dazu wurde verlängert. Damit haben die Netzbetreiber ausreichend Zeit für den Wechsel.
  • Ein Wechsel gegen ein Smart Meter ist möglich, die Verfolgung des Stromverbrauchs kann hier über eine App erfolgen. Ein Ablesen der Werte vor Ort ist damit nicht mehr nötig.

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